Meerschweinchen


Meerschweinchen > Haltung > Einzelhaltung / Gruppenhaltung > Böckchenvergesellschaftung

Böckchenvergesellschaftung

Es gibt folgende Möglichkeiten der Vergesellschaftung:

Entgegen der weit verbreiteten Meinung, Meerschweinchenböcke vertragen sich nicht, lassen sich zwei Böckchen problemlos miteinander vergesellschaften, wenn man sich an gewisse Regeln hält.
Es ist sogar so, dass viele Halter von Meerschweinchenböcken, diese als gelehriger, anhänglicher und schmusiger als die Weibchen beschreiben (ähnlich der Gemütlichkeit von Katern), und vor allem: viel weniger zickig!

Auch das Argument des stärkeren Geruches stimmt nur bedingt. Männchen, die ohne Weibchen gehalten werden, markieren ihr Revier nicht, da sie keine Weibchen umwerben. Dies ist auch unabhängig von einer Kastration! Wenn man – was unbedingt erforderlich ist – den Käfig mindestens 1 Mal wöchentlich reinigt und regelmäßig die Ecken säubert, ist der stärkere „Männergeruch“ gar nicht oder nur minimal wahrnehmbar.
Das Geschlecht sollte also auf keinen Fall ein Grund dafür sein, dass Böckchen aufgrund der geringeren Nachfrage haufenweise als Schlangenfutter enden.

Das funktioniert problemlos:

Zwei Böckchen (zwei Wurfgeschwister), die vor der 6. Lebenswoche von den Weibchen getrennt wurden und zusammen aufgewachsen sind. Sie müssen nicht kastriert werden!

Junge Böckchen bilden ein harmonisches Team und es kommt extrem selten zu ernsthaften Beißereien, da die Tiere von Beginn an gemeinsam aufwachsen und es keine Weibchen gibt, um die gekämpft wird. Natürlich leben die Tiere ihr natürliches Verhalten aus, zu welchem auch die Klärung der Rangfolge gehört. So kann es im Alter zwischen 4 und 8 Monaten (je nach Tier) zu kleineren Rangeleien kommen und es mag auch mal ein paar Kratzer an der Nase oder einen kleineren Biss am Ohr geben, aber all das ist für die Tiere ein Kräftemessen und sollte nicht vermenschlicht werden. Auch bei den Menschen spielen die Jungen etwas wilder als die Mädchen und niemand würde auf die Idee kommen, Jungen – auf Grund ein paar blauer Flecken - nicht miteinander spielen zu lassen. So oder ähnlich läuft dies auch bei den Meersäuen ab und wenn jeder der Böcke weiß, wo er in der Rangfolge steht, gewinnt er an Sicherheit. Lassen Sie die Tiere also ihre kleinen Dispute klären und greifen Sie nur im Notfall ein, wenn ein Böckchen wirklich starke Verletzungen erleidet und keine Ausweichmöglichkeit hat (siehe ernsthafte Kämpfe, Artikel folgt in Kürze). Ein einziger Biss in den Po ist kein Grund für ein Eingreifen. Spätestens im Alter von 10 Monaten sollte die Rangfolge endgültig geklärt sein, und meistens findet das ganze sowieso ruhig und von den Menschen unbemerkt statt.

Auf keinen Fall dürfen in bestehende Bockgruppen mit begrenztem Platz noch neue Tiere integriert werden, da dies fast immer eine neue Rangfolge nach sich zieht und einen bestehenden Waffenstillstand wieder zunichte macht. Auch jüngere Böckchen - welche anfangs nach Weibchen riechen - lösen bei den Älteren Balzverhalten und Revierkämpfe aus!!! (siehe Meerschweinchen aneinander gewöhnen, Artikel folgt in Kürze)

Mehrere Böckchen:

Auch bei diesen Gruppen, sollten die Tiere möglichst jung aneinander gewöhnt werden, am besten bis zur 6. Lebenswoche.
Für Böckchengruppen gilt generell, das der Platz eine entscheidende Rolle spielt. Je größer das Gehege, desto harmonischer läuft in der Regel das Zusammenleben ab. Es sollte für jedes Tier genügend Ausweichmöglichkeiten bei Rangeleien geben und folgende Größenangaben sollten eingehalten werden:
3 Böckchen: 2 Quadratmeter
4 Böckchen: 4 Quadratmeter
5 Böckchen: 8 Quadratmeter

Meerschweinchengruppe Die Größenangaben sind nur Schätzwerte und hängen auch sehr von dem Temperament der einzelnen Tiere und der Einrichtung des Geheges ab. Böckchengruppen ab 5 Tieren sind nur sehr aufmerksamen Tierhaltern zu empfehlen, welche durch tägliches Beobachten feststellen können, ob einzelne Böckchen "gemobbt" werden. Ab einer größeren Anzahl empfiehlt sich das großflächige Abtrennen eines Gartenbereiches mit zahlreichen Verstecken und mehreren Futterstellen. Es gibt so auch sehr erfolgreiche Böckengruppen, wenn die Tiere keinem Stress durch Platzmangel ausgesetzt sind.
Bei der Haltung mehrerer Böckchen kommt es häufiger zu Problemen, als bei anderen Haltungsformen, da sich z.B. bei der Krankheit eines Einzelnen die gesamte Rangfolge verändern kann, was zu umfangreichen Reibereien führt und das kranke Tier dann oft stark gemobbt wird (oder war das Tier bereits heimlichen Aggressionen ausgesetzt und wurde aufgrund von Stress krank?). Dies müssen Sie kontrollieren!
Wichtig: Das nachträgliche integrieren von Weibchen ist nicht möglich! Frühkastrate - welche von den Böckchen oft als Weibchen fehlinterpretiert werden - können auch zu Streitigkeiten führen, ebenso Jungtiere.
Bei der Integration erwachsener Böckchen in eine größere Gruppe ist der Ausgang ungewiss. Dabei kann generell gesagt werden, dass die Chancen stark von der Gruppengröße und dem Platzangebot abhängen. Bei einer reinen Käfighaltung und z.B. nur 2 erwachsenen Böckchen, ist ein Zusammengewöhnen nur in den seltesten Fällen möglich. Es kommt zu heftigsten Kämpfen und die Tiere verletzen sich dabei ernsthaft. Die Kastration der Böckchen hilft nicht generell, dabei müssen ebenfalls einige Regeln beachtet werden. Möchten Sie es trotzdem versuchen lesen Sie hierzu bitte zuerst die Hinweise zum Meerschweinchen aneinander gewöhnen (Artikel folgt in Kürze) und lassen Sie die Tiere deshalb die ersten Tage nicht unbeobachtet und kontrollieren Sie das Verhalten über mehrere Wochen, um sicherzugehen, dass es nicht noch zu ernsthaften Kämpfen kommt. Ältere Böckchen haben ihr eigenes Temperament, deshalb ist eine Integration generell zwar nicht unmöglich, scheitert jedoch leider sehr oft.

Mehrere Frühkastrate (Böckchen, die bis zur 6. Woche, vor Beginn der Geschlechtsreife, kastriert wurden):

Unter Frühkastraten versteht man Böckchen, die vor Erreichen der Geschlechtsreife, also bis zum Alter von 6 Wochen, kastriert wurden.
Diese Gruppen funktionieren problemlos, da die Tiere ja sozusagen „geschlechtsneutral“ sind und hier lassen sich, im Gegensatz zu unkastrierten Böckchengruppen, auch Tiere (weibliche und männliche) später integrieren, wenn man die Neulinge geduldig eingewöhnt.
Obwohl gerne von einem erhöhten Narkoserisiko bei so kleinen und jungen Tieren gesprochen wird, zeigt die Erfahrung, dass es bei erfahrenen Tierärzten, die diesen Eingriff regelmäßig durchführen, sogar zu weniger Problemen kommt, als bei Kastrationen älterer Tiere. So verheilen die Operationsnarben besser und schneller, es bilden sich seltener Abzesse und die Tiere sind bereits ein paar Stunden nach dem Eingriff wieder fit. Das Argument, es wäre nicht artgerecht, ein Tier vor Erreichen der Geschlechtsreife zu kastrieren, es also seiner natürlichen hormonellen Entwicklung zu berauben und es immer im „Kindmodus“ zu belassen, muss kritisch betrachtet werden.
Einerseits ist die Kastration generell etwas Künstliches, vom Menschen veranlasst, um ein möglichst einfach handhabbares Tier zu erhalten, ohne die „Nebenwirkungen“ der Hormone, wie Rangeleien, Vermehrungswillen, Geruch, etc. So können die Tiere problemlos in Wohnungen – fern der ursprünglichen Heimat – mit geringem Platzbedarf gehalten werden.
Andererseits ist die Frage berechtigt, inwiefern die Tiere diese hormonelle Entwicklung vermissen, oder ob es für sie möglicherweise ohne ihre Triebe leichter ist, in der menschlichen Gesellschaft ein erfülltes Leben zu führen, wo der Platz beschränkt ist, und der Rangniedere keine Möglichkeit hat, ein anderes Revier aufzusuchen. Denn, lebenslange Einzelhaft aufgrund der sexuellen Aggressionen gegenüber Artgenossen ist auch nicht artgerecht und nicht jedes Böckchen wird das Glück haben, sich vermehren zu dürfen.
Und häufig enden die ungewollten Böckchen als Reptilienfutter!
Jeder Besitzer von Meerschweinchen muss dies selbst entscheiden und sollte seine Tierliebe kritisch hinterfragen.

Achtung - generell gilt bei Böckchenhaltung:

  • Die Tiere nie trennen!

    … da sie sich bereits nach kurzer Zeit ein eigenes Revier abstecken und sich dann nicht mehr vertragen! Dieses Verhalten kann bereits nach einem halben Tag beginnen.
    Sollte ein Tier krank sein, so weisen Sie bitte den behandelnden Tierarzt auf die Böckchenhaltung hin und bestehen Sie – falls medizinisch möglich - auf die gemeinsame Unterbringung der Tiere. Wenn es sich um eine ansteckende Krankheit handelt, so ist das zweite Tier sicher schon mit dem Erreger in Kontakt gekommen, eine Trennung käme also sowieso zu spät. Bei einer schwierigen Operation ist es ebenfalls meist günstiger, das kranke Meerschweinchen in gewohnter Umgebung und mit bekannten „Gesichtern“ unterzubringen, um die Genesung zu beschleunigen, da Meerschweinchen sehr stressanfällig sind.
    Im extremen Ausnahmefall einer absolut notwendigen Trennung, teilen Sie den Käfig mit einem Gitter oder stellen Sie zwei Käfige eng aneinander und wechseln die Tiere täglich von einem Käfig zum anderen, damit die Böcke den vertrauten Geruch des Partners nicht verlieren. Leider gibt es immer noch Tierärzte, die sich nicht ausreichend mit der Böckchenhaltung auskennen, bestehen Sie also auf die oben genannten Maßnahmen, auch falls Ihr Tierarzt anderer Meinung ist.
    Eine Ausnahme zu obiger Regel gilt nur für Frühkastrate oder die Haltung der Böckchen auf sehr großer Fläche.

  • Kein Kontakt zu Weibchen!!!

    Wenn der süße Duft einer Meerschweinchendame im Spiel ist, ist die beste Freundschaft dahin. Da gibt es keine Ausnahme!
    Bitte vermeiden Sie auch den direkten Käfig an Käfig Kontakt, da dies manchmal bereits ausreicht, die männlichen Hormone hoch kochen zu lassen. Sollten Sie die Meerschweinchen des Nachbars über den Urlaub aufnehmen – und es handelt sich um Damen – so bringen Sie diese am besten im Nebenzimmer unter, so ist jede Gefahr gebannt. Bei der Unterbringung Ihrer Tiere im Zoofachhandel bestehen Sie auf einer Unterbringung abseits der Damen!
    Diese Regel gilt nicht bei Frühkastraten.

  • Keine Deckexperimente!

    Bitte leihen Sie Ihr Böckchen nicht für einen einmaligen Deckakt (dem Nachbarn) aus. Erstens klappt es sowieso meistens nur, wenn der Bock und das Weibchen mehrere Tage oder besser Wochen miteinander verbringen, (es sei denn, sie kennen sich mit der Bestimmung der Fruchtbarkeitstage des Weibchens aus) oder es gibt nachher Randale und die Böckchen vertragen sich nicht mehr (Weibchengeruch haftet noch am Böckchen, Hormone, etc.).
    Diese kurzen Minuten der Freude sind es nicht wert - es sei denn, Sie planen eine Trennung der Böckchen, eine Kastration und Weibchenvergesellschaftung oder eine Zucht.

  • Kein Spielen mit den Nachbarmeerschweinchen!

    Gerne kommen Kinder zusammen und spielen alle gemeinsam mit den Meerschweinchen. Dies bitte unbedingt vermeiden, denn es bedeutet meistens sehr viel Stress für die Tiere und führt sowohl bei fremden Böckchen (mit diesen) als auch bei fremden Weibchen (gegeneinander, um das Weibchen) zu Auseinandersetzungen.


Einzelhaltung / Gruppenhaltung
Weibchenvergesellschaftung
Hier geht es zum Tierportal Animalus

Tierportal - Animalus

Bookmarks
wong
webnews
icio
oneview
favit
favoriten
seekxl
social-bookmarking
bonitrust
power
bookmarksoc
newskick
newsider
linksilo
readster
yigg
linkarena
digg
reddit
simpy
stumbleupon
slashdot
netscape
furl
yahoo
blogmarks
diigo
technoratio
newsvine
blinkbits
magnolia
smarking
netvouz
folkd
spurl
google
blinklist