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Ursprung
Der Stammbaum, der zum heutigen Haushund führt, begann vor ungefähr 70 Millionen Jahren in der Erdneuzeit im Tertiär, unteres Eozän bis unteres Miozän. Zu dieser Zeit lebten, so Stand der heutigen Wissenschaft, die pflanzenfressenden Säugetiere, aus denen sich im Laufe der Evolution auch fleischfressende Säuger (Creodonta) entwickelten, die im Laufe der Zeit immer zahlreicher und dominanter wurden, da das vorhandene Nahrungsangebot an Pflanzenfressern schier endlos war. Aufgrund klimatischer Veränderungen starben die Pflanzenfresser (u.a. Dinosaurier) jedoch aus und die Vorherrschaft der Creodonta begann.
Man unterscheidet zwischen zwei Familien der Creodonten: Den Hyaenodontidae (Hunde- und Hyänenähnliche mit großem Schädel und kräftigem Kiefer) und den Oxyaenidae (Katzenähnliche). Ob sie mit den heutigen Raubtieren verwandt sind, ist unter Wissenschaftlern noch immer umstritten. Sie gelten aufgrund ihrer parallelen Entwicklung eher als verwandte Gruppe. Ihr Aussehen war spitzmausähnlich und sie ernährten sich von Insekten und anderen kleinen Lebewesen. Ihr Lebensraum war aufgrund des reichhaltigen Nahrungsangebotes für sehr lange Zeit Nordamerika und erst viel später Eurasien. Mehr und mehr bildeten sich die Miaciden mit der Gebissform der heutigen Raubtiere heraus.
Aus ihnen entwickelte sich dann vor ca. 40 Mio. Jahren, im Eozän, noch immer auf dem amerikanischen Kontinent, der Urheimat aller Wildhunde, der „Hesperocyon“ mit der Größe eines Fuchses. Er gilt als Urvater aller Hundeartigen und unterscheidet sich im Wesentlichen von den Miaciden durch seinen deutlich andersartigen Gang, da er über längere Läufe verfügte und Zehengänger mit ausgebildeten Fußballen war. Wissenschaftlich belegt wird dies erstaunlicherweise mit der Anatomie seines Innenohrs, die typisch ist für die Familie der Caniden. Aus der Evolution der Hesperocyon entstanden mehrere Canidenformen. Im Oberen Oligozän (Chattium), also vor ca. 23 bis 28 Mio. Jahren, starben sie jedoch aus und drei Entwicklungslinien entstanden:
Die Hesperocyoninae, die Borophaginae und die Caninae.
Erstere gilt als die älteste und dominierendste Gruppe der Caniden mit ihrem Höhepunkt im Mittleren Oligozän und ihrem Ende vor ca. 13 Mio. Jahren.
Die meisten Arten beinhaltete die Gruppe der Hyänenartigen (Borophaginae), die im Unteren Oligozän (Rupelium) vor ca. 32 Mio. Jahren entstand und ganze 30 Millionen Jahre dauerte. Umstritten ist die Existenz eines bärenähnlichen Hundes mit dem wissenschaftlichen Namen „Tomarctus“ vor 19 Millionen Jahren, der ein wolfartiges Säugetier gewesen sein soll, das in Rudeln jagte.
Die dritte Gruppe der Caninae entstand ebenfalls im Oligozän vor ca. 30 Mio. Jahren. Mit ihr begann die Linie der Caninae, aus der sich 42 Raubtiergattungen herausbildeten, unter anderem der „Leptocyon“, der als Stammform des Hundes und der modernen Raubtiere (Candien) gilt. Aus ihm gingen vor ca. 2 Millionen Jahren die Gattungsgruppen Vulpini und Canini hervor, wovon letztere die 10 heutigen Formen der Hundeartigen (Füchse, Schakale, Hunde, Wölfe, Kojoten) bildet (s. Die Hundeartigen). Die genetischen Unterschiede dieser Arten waren allesamt sehr gering. Wölfe und Hunde besitzen jeweils mehr als 78 Chromosomen, Füchse beispielsweise nur 38. Lange Zeit hielten Verhaltensforscher wie Konrad Lorenz (1903 – 1989) und dessen Mitarbeiter Eric Zimen (1941 – 2003) die Theorie aufrecht, der Hund stamme vom Goldschakal (Canis aureus) ab. Inzwischen ist aber belegt, dass die DNA des Grauwolfs (Canis lupus lupus) der des Hundes am ähnlichsten ist, da sie sich lediglich um 0,2 % (!) unterscheidet, was den Grauwolf zum genetischen Urvater des Hundes macht.
Von Nordamerika aus eroberten die Caniden dann schließlich alle weiteren Erdteile und die Artenvielfalt schritt voran.


