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Der Hund in der Antike
Die Antike war eine Epoche des Altertums im Mittelmeerraum (ca. 1200 / 800 v. Chr. bis ca. 500 n. Chr.), geprägt von vielen Gemeinsamkeiten kultureller Traditionen. Sie meint im engeren Sinn eine griechisch-römische Epoche, die mit der frühgriechischen Einwanderung beginnt und etwa mit der Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustus (476 n. Chr.) endet. Über den genauen Beginn und das Ende dieser Epoche sind sich Wissenschaftler uneins.
Der Hund in Griechenland
Auch in der Antike nahm der Hund einen großen Stellenwert ein, was eine Vielzahl von zeitgenössischen Wandmalereien, Reliefs oder Mosaiken belegt. Zahlreiche Gedichte, Fabeln und Sprichwörter sind überliefert und selbst die Sternbilder wurden nach dem Großen und dem Kleinen Hund benannt.
Verschiedene Hundetypen
Aufgrund vielzähliger Hinterlassenschaften lässt sich sagen, dass man viel weniger Hunderassen unterschied als heute und die bekannten in vier Familien einteilte: Molosser, Lakoner, Kreter und Melitäer.
Wie genau der Begriff 'Rasse' damals definiert wurde, bleibt unklar. Klar ist aber, dass auch in Griechenland die Jagd von zentraler Bedeutung für die privilegierten Menschen war und man zahlreiche Hundearten vorwiegend nach ihrem Verwendungszweck bzw. ihrer Funktion unterschied. So weist auch Homer in seinen Epen Ende des 8. Jahrhunderts v. Christus dem Hund unterschiedliche Funktionen zu, indem er von Jagd-, Hirten-, Wach- und Tischhunden berichtet.
Der Molosser
Mastiff
Der Molosser eignete sich aufgrund seiner Größe und Stärke vorzüglich als Hirten-, Hof- sowie Großwildjagdhund (Eber, Bären, Hirsche); seine Widerristhöhe erreichte damals immerhin stolze 75 bis 80 Zentimeter, während sie sich heute bei 70 Zentimeter eingependelt hat.
Er wurde außerdem auch als Meldehund im Krieg eingesetzt und musste zu übermittelnde Nachrichten verschlucken und überbringen. Um an die Informationen zu gelangen, wurde er nach seiner Ankunft geschlachtet. Hunde des Mastiff-Typs wurden von den griechischen und assyrischen Armeen im Kampf gegen ihre Gegner als Kriegs- und Kampfhunde eingesetzt. Mit Messern oder brennenden Fackeln am Halsband wurden sie zu den Gegnern geschickt, um diese abzulenken bzw. Brand zu stiften.
Aber auch bei Tierkämpfen mit Löwen wurden Kraft und Mut zur Schau gestellt und sie waren so wild und ungestüm, dass sie oft nicht einmal von ihren Besitzern in Schach gehalten werden konnten. Dabei waren sie sehr intelligent und treu.
Sie waren Luxus, den sich nur die Reichen leisten konnten; Hündinnen wurden niemals verkauft, um deren Vermehrung und somit Verbreitung möglichst für sich vorzubehalten.
Auch Alexander der Große soll stolz auf seine riesigen Hunde gewesen sein, die er von besiegten Gegnern an sich nahm, um sie in seinem Heer einzusetzen.
Der Lakoner
Der Lakoner war aufgrund seines leichten und elegant wirkenden Körperbaus extrem schnell und wurde in der Antike neben kretischen und sizilianischen Windhundarten vorwiegend als Jagdhund eingesetzt. Schnelligkeit, Mut, Ehrgeiz, Spürsinn und sein kräftiges Gebiss ermöglichten ihm, Wild auch im stärksten Dickicht aufzuspüren. In Italien, besonders in Apulien und Kalabrien wurde er aber auch als Hirtenhund eingesetzt.
Der Kreter
Kritikos Ichnilatis
Dennoch kennt den in der heutigen Zeit vom Aussterben bedrohten Hund außerhalb Griechenlands kaum jemand, obwohl er aufgrund der Vielzahl an Relikten eine sehr hohe Stellung im minoischen Kreta eingenommen haben muss. Er galt als heiliges Tier und wurde für die Jagd im Sinne der Nahrungs- oder Opfergabenbeschaffung eingesetzt. 43 v. Christus schrieb Ovid, dass eine Meute Jagdhunde ohne einen Kretischen Hund schier undenkbar sei.
Heute gilt der wohl beste Hasenjäger als lebendes Relikt minoischer Kultur und ist kulturelles Erbe Kretas.
Den Molekularbiologen gibt er viele Rätsel auf, da sich bislang keinerlei verwandtschaftliche Beziehungen zu anderen Hunderassen feststellen lassen und er sich stark von allen anderen Hunden und auch vom Wolf unterscheidet.
Der Melitäer
Der Melitäer war ein äußerst beliebter kleiner, weißer Spitz mit kurzen Beinen, der Schoß-, Familien- und Palasthund war. Im Laufe der Zeit hieß diese Hunderasse auch: Melitea Hund, Hund des antiken Malta, Comforter, Schockhund, Sanfter Spaniel, Malteser Löwenhund. Ob er nun aus Malta oder einem Ort in Sizilien stammt, ist noch immer ungeklärt.
Griechische Mythologie
Herkules im Kampf mit Cerberus
In der griechischen Mythologie war der Hund, ebenso wie in Ägypten, Begleiter der Toten, die den Weg in die Unterwelt gehen und wieder zu den Lebenden gelangen.
Eine der berühmtesten griechischen Sagen ist die des Herkules, des Sohns von Zeus und Alceme. Die Göttin Hera, Ehefrau des Zeus, hasste Herkules, der gutaussehend und unheimlich stark war, jedoch von Anfang an. Als Zeus eines Tages Herkules zum König von Mycenae machen wollte, willigte Hera nur unter der Bedingung ein, dass Herkules erst dann König von Mycenae und Gott werden solle, wenn er zwölf - im Grunde genommen unlösbare Aufgaben - bewältigte. Eine Aufgabe bestand darin, den drei- oder mehrköpfigen Höllenhund Cerberus zu besiegen, der mit einer Mähne aus sich windenden Schlangen furchteinflößend war und den Zugang zur Unterwelt bewachte. Cerberus war gefürchtet, weil er zwar jeden in die Unterwelt hinunter, jedoch nicht mehr herauf ließ und sein Atem und Speichel zudem giftig und tödlich waren. Alle, die lebend in die Unterwelt hinunter gingen, mussten daher Cerberus bekämpfen. Zum großen Erstaunen besiegte Herkules nicht nur den Cerberus, sondern meisterte auch alle übrigen Aufgaben.
Der Hund war überwiegend verehrtes und heiliges Tier der alten Göttinnen, was zahlreiche Geschichten über die Jagdgöttin Diana, der Holda und der Hel, der Artemis, der Hekate und der Nehalennia belegen.
Mit dem Aufkommen der Philosophie im alten Griechenland ab ca. 600 v. Chr. und dem Verlangen der Naturphilosophen nach logischen und wissenschaftlichen Erklärungen für die Entstehung des Universums traten die 'alten' Götter mehr und mehr in den Hintergrund: Hundespeichel, der vormals als giftig galt, wurde heilende Wirkung zugesprochen. Das Ablecken von Wunden galt als entzündungshemmend und gesund machend. Besonders Augenkrankheiten waren in der Antike weit verbreitet und wurden auf diese Weise gelindert. Dem zugrunde liegt der (Aber-)glaube, dass der Hund durch das Ablecken Unheilstoffe in sich aufnimmt. Tatsächlich enthält Hundespeichel keimtötende Fermente und Leukozyten und wirkt stark entzündungshemmend.
Der Hund in der Römerzeit
Als adeliger Römer einen Hund zu besitzen, vor allen Dingen, einen großen und kräftigen, war ebenso modern und zeitgemäß wie sich einen Sklaven zu halten. In der Antike hatten - neben der Jagd - Tierkämpfe einen enorm hohen Stellenwert und waren den römischen Bürgern Belustigung und Zeitvertreib sowie den Adeligen Demonstration von Wohlstand und Macht.
Im römischen Heer wurden verschiedene Arten von Gefechtshunden eingesetzt. So schützten Verteidigungshunde die Nachhut, Angriffshunde hatten an vorderster Front zu laufen und Verbindungshunde hielten zwischen den verschiedenen Armeeposten Kontakt.
Unterschiedliche Hundetypen
Der Molosser
Die Römer verwendeten die kräftigen Molosser als Kampfhunde, die sie zu züchten begannen, als der Nachschub für ihre grausigen Schaukämpfe gegen Menschen, Bären und Löwen auf natürlichem Wege nicht mehr ausreichend war. Es gibt Aufzeichnungen, wonach bereits 100 v. Chr. römische Kampfhunde gallischen gegenüber standen und sich erbitterte Kämpfe lieferten. Man kann heute sagen, dass die systematische Hundezucht zu dieser Zeit begann.
So ist eine Aufstellung bekannt, die die damaligen Hunde in Wach-, Hüte- und Jagdhunde einteilt. Jagdhunde wurden nach 3 Gruppen unterschieden: Erstere waren die Hunde, die lediglich eine Spur verfolgten, zweitere die, die eine Beute verfolgten und die dritte die, die die Beute angriff. Es gibt auch andere Ordnungen, die sich nach der Art des Jagdeinsatzes oder nach körperlichen Merkmalen wie der Schädelgröße bzw. -form oder der Charakteristik der Läufe orientierten.
Der Melitäer
Der Hund war aber auch Gesellschaftshund (Melitäer-Spitz) und wurde als Schmusetier verwöhnt. Die Melitäer beispielsweise gehörten zur Familie und wurden mit großer Zuneigung gehegt und gepflegt und von den Kindern sehr gerne als Spielkamerad gesehen. Er war wohl aufgrund seines wachsamen und intelligenten Charakters so beliebt. Mit großer Leichtigkeit lernt er Kommandos und auf Kinder reagiert er sehr geduldig und einfühlsam.
Anzutreffen war er lange Zeit ausschließlich am kaiserlichen Hof in Rom, da es als Privileg galt, sich einen Hund zu halten und es den Sklaven ohnehin verboten war, Tiere zu haben. Es dauerte aber nicht lange und auch die Bürgerlichen holten den so beliebten Melitäer in ihre Häuser.
Römische Mythologie
Sobald die Römer ihre primitiven religiösen Vorstellungen von Dämonen, Geistern und Zauberern aufgegeben hatten, begannen sie - nach kriegerischen Eroberungen - fremde Götter und Kulte zu übernehmen und gaben ihnen lediglich andere Namen. Politisch gesehen erleichterte das das Regieren anderer Völker ganz maßgeblich.
Romulus und Remus
Eine der wohl bekanntesten römischen Sagen ist die Gründung Roms durch die Zwillinge Romulus und Remus. Die beiden Knaben wurden kurz nach ihrer Geburt im Tiber ausgesetzt und von einer Wölfin gesäugt und genährt. Als Dank für ihre Rettung durch einen Schweinehirten erbauten sie später die Stadt Rom an der Stelle, an der sie ausgesetzt worden waren.
Bekannt sind jedem von uns die Jagdgöttin Diana oder Geschichten vom Werwolf. Dieser Aberglaube ist wohl auf die hohe Anzahl von verwilderten Hunderudeln nach dem Zerfall des Römischen Reiches zurückzuführen. Noch heute sagen italienische Bauern, 'wenn ein Mann am Freitag bei Vollmond im Freien schläft, wird ihn entweder ein Werwolf angreifen, oder er wird sich selbst in einen Werwolf verwandeln'.


