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Der Hund in Ägypten

Unterschiedliche Hundetypen

Die Ägypter hatten den Hund schon in vorgeschichtlicher Zeit in voll domestizierter Form aus dem Vorderen Orient übernommen. Viele Skulpturen, Abbildungen und Hundemumien zeugen von seiner Bedeutung. Die ältesten Knochenfunde, die sein Vorkommen in Ägypten belegen, stammen aus dem 5. Jahrtausend v. Christus. Eine bildliche Hundedarstellung aus der ersten Hälfte des 4. Jahrtausends v. Christus zeigt ein windhundähnliches Tier auf einem Gefäß.

In den ersten Jahrhunderten des Alten Ägypten war das Recht der Großwildjagd ausschließlich den Pharaonen vorbehalten; gejagt wurden vorwiegend Nilpferde, die als Sinnbild des Bösen galten. Erst später kam die Jagd mit Streitwagen hinzu und Waffen wie Pfeil und Bogen, Lanze und Speer. Im Nildelta jagten die Adeligen Vögel und Fische, aber auch Antilopen und Gazellen, wozu schnelle Jagdwindhunde gebraucht wurden.

Der Tesem

Vermutlich führten die Ägypter auf ihren Reisen Hunde aus Somalia, Kreta und dem griechischen Festland ein und kreuzten diese um 3000 v. Chr. mit ihrem einheimischen und wohl ältesten Jagdwindhund, dem stehorigen „Tesem“, der Begleiter und Jagdhund der Pharaonen war. Sein Rassestatus gilt bis heute als ungeklärt; möglicherweise stammt er vom Pariahund ab und ist selbst Stammvater der Podencos (Jagdhunde) auf den Balearen, die vermutlich durch phönizische und karthagesische Seefahrer verbreitet wurden.

Viel später galt der Tesem lange Zeit als ausgestorben und wurde erst in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts auf Malta in Form des Pharaonenhundes (maltesischer Name: Kelb tal-Fenek und bedeutet: Hund für Kaninchen) wiederentdeckt, der nachweislich seit mehr als 2 Jahrtausenden dort lebt und den Bauern auch heute noch wertvolle Dienste als Jagdhund leistet. Ein wissenschaftlicher Beweis für die direkte Abstammung des Kelb tal-Fenek vom ausgestorbenen Tesem ist aber bislang noch nicht geführt. Gemeinsame Merkmale beider Hunde sind die übergroßen Stehohren und die besondere Rotfärbung, die auffällige Bewegungseleganz und die vortrefflichen Jagdeigenschaften.

Der Pariahund

Herumstreunende Hunde jedoch wurden in Ägypten mit der Unterschicht verglichen und als Verursacher so mancher Krankheiten gesehen. So galten die Pariahunde (im Indischen: Ausgestoßene) als regelrechte Plage, die man tötete, wo auch immer man auf sie traf. Sie lebten zwar in der Nähe des Menschen, wurden aber weder gefüttert noch anderweitig von ihnen versorgt.

Der Basenji

Basenji

Basenji

Über den Ursprung des Basenji ist man sich unsicher. Er könnte Gastgeschenk der Pygmäen an die Pharaonen gewesen sein, oder aber auch Kriegsbeute und gilt entweder als Nachfahre des Tesem oder als von dessen Vorfahren abstammend. Beiden Hundetypen ist die geringelte Rute gleich. Zeichnungen dieser Windhundart wurden in den Gräbern der großen Cheops-Pyramide (2.700 v. Chr.) entdeckt und zeigen kleine Hunde, die aufgrund ihres katzenartigen und äußerst reinlichen Wesens in Palastkreisen sehr geschätzt waren.

Ein Wandbild im Grab des Mereruka (Wesir, oberster Richter und Vorsteher der Priester um 2.345 bis 2.323 v. Chr.) zeigt dicke, kurzbeinige Hunde, die vermutlich als Schoßhunde gehalten wurden.

Die Ägypter bildeten aber auch Sanitätshunde aus, die nach beendeten Kämpfen auf dem Schlachtfeld nach Verwundeten suchten und diese meldeten.

Um 625 v. Chr. wurden viele der Hunderasse Mastiff ähnliche Hunde für die Jagd auf Löwen und Wildesel verwendet.

Ägyptische Mythologie

Wie auch in anderen Mythologien wurden Götter als Menschen mit entsprechend unterschiedlichen Tierköpfen dargestellt. Der Grund: Tiere schienen den Ägyptern aufgrund ihrer ureigenen Instinkte überlebensfähiger als Menschen zu sein. Diese Instinkte basierten ihrer Meinung nach auf Wissen und Geist, die es durch die Vergöttlichung von Tieren zu sichern galt. Ferner glaubten sie, die Seele eines Menschen wandere nach dem Tod durch alle Tiere des Landes und des Meeres und kehre nach 3000 Jahren in einen Menschenleib zurück. Der Tod galt als Fortsetzung des irdischen Lebens und der Totenkult war als Ausdruck tiefer Frömmigkeit.

Die Assoziation Hund und Tod liegt möglicherweise auch in der kulturellen Verbindung mit der Wüste begründet und dem zur Menschheitsgeschichte gehörenden Aberglauben. Die Wüste als Heimat der Hunde, Wölfe und Schakale galt seit jeher als todbringend und wurde folglich auch mit dem Tod assoziiert. So scheint die Schlussfolgerung der Ägypter völlig logisch, den Hund zur wertgeschätzten Gottheit zu erheben, die für die richtige Einbalsamierung zu sorgen und der Mumie und ihrer Seele durch Mundöffnung den Weg ins Jenseits zu ermöglichen hatte.

Anubis

Ägyptischer Totengott Anubis

So war im Alten Ägypten (ab ca. 3.150 v. Chr.) der schakalgestaltige Totengott Anubis (oder auch: Anoubis, Anpu, Ano-Oobist, Impu) der Gott, der die Seelen der Verstorbenen in die Unterwelt führte und als Schutzherr der Gräber galt. Anubis bedeutet soviel wie „der in den Mumienbinden ist“. Er wurde entweder als großer schwarzer Hund oder Schakal bzw. als Mensch mit einem Hunde- oder Schakalkopf mit schwarzer Haut dargestellt. Laut Überlieferung soll Anubis Sohn des Osiris gewesen sein, der ihn nach dessen Tod einbalsamierte und über ihn wachte, bis er seine letzte Reise unbeschadet antreten konnte. Im Totenreich angekommen soll Osiris auferstanden sein und Anubis zum Richter des Totengerichts gemacht haben, der die Herzen der Toten gegen die Maat auf der Lebenswaage abwog. Die Maat ist eine Göttin, die symbolisch als Figur oder manchmal auch nur in Form einer Feder auf der einen Waagschale sitzt und dabei den Anch in der Hand hält (Zeichen für das Weiterleben im Jenseits), während über das Leben eines Verstorbenen zu Gericht gesessen wird. Fast jeder kennt die Statue, die den auf dem Sarkophag liegenden Anubis als Begleiter und Wächter der Reise ins Totenreich zeigt.

Starb ein Hund, balsamierte man ihn - ebenfalls wie die Menschen - ein und setzte ihn in einem eigenen Grab bei. Im Neuen Ägyptischen Reich stand auf das Töten eines heiligen Tieres sogar die Todesstrafe.


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