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Der Hund im Mittelalter

Bocca della Verità (Mund der Wahrheit)

Bocca della Verità (Mund der Wahrheit)

Das Mittelalter (um ca. 500 bis 1.500 n. Chr.) war gekennzeichnet durch ein statisches Weltbild - die Erde als Scheibe bzw. als Kugel stand im Mittelpunkt. Der Himmel mit seinen Gestirnen war Wohnort Gottes und Jerusalem galt als Mittelpunkt der Welt. Alles war Gottes Wille und jeder hatte seinen unveränderlichen Platz in der Gesellschaft. Die Macht oblag alleinig dem Adel, zu dem auch der Klerus und das Rittertum zählten. Bürgern und Bauern kam die Aufgabe zu, den Adel zu ernähren.

Dieses starre Weltbild dokumentiert sich auch in den vielen Bauwerken, die für die Ewigkeit gebaut zu sein scheinen. Erst im Spätmittelalter, als der Handel und das Bürgertum an Bedeutung zunahmen, wurde der Tauschhandel durch den Handel mit Geld ersetzt. Handwerker gründeten Gilden, um den Adeligen gegenüber an Macht zu gewinnen. Dies stellte den Übergang in die Renaissancezeit dar.

Wie wir im weiteren Text ausführen, spielt auch der Hund in dieser Zeit eine wichtige Rolle.

Verschiedene Hundetypen

War vormals die Jagd das Recht des freien Mannes, so galt dies im Hochmittelalter (13. – 15. Jh.) nur noch für die Adeligen und Geistlichen, die hinter ihren hohen Burgmauern sehr viel Wert auf die Zucht von Jagdhunderassen für ihre feudalen Jagden legten.

Mehr und mehr wurden die Jagdmethoden verfeinert und die natürlichen Fähigkeiten des Hundes, Wild aufzuspüren und zu apportieren, erkannt. Man züchtete daher Hunde in Richtung einzelner Jagdfunktionen. Ihr Aussehen war im Gegensatz zu heute absolut sekundär. Daher findet man in Jagdbüchern aus dem 14. Jahrhundert weniger rassetypische Beschreibungen als vielmehr jagdtechnische. Wir erinnern uns an die Griechen, die in ähnlicher Weise verfuhren (siehe auch Der Hund im Mittelalter) . Als reinrassig galt ein Hund, wenn er eine einmal aufgenommene Spur „rein“ halten konnte und nicht auf eine andere Spur ging.

Dogge heute

Dogge heute

Windhunde

Windhunde

Bis zu vier Wochen dauerten teilweise die Vorbereitungen sogenannter Hetzjagden in den eigens dafür erbauten Jagdschlössern. Da bei Hetzjagden die Schnelligkeit der Hunde entscheidend war, legte man Wert auf Leit- oder Meutehunde (Bracken oder Laufhunde); sie waren sogenannte „spurlaute Nasenjäger“, die auf Spur und Fährte anhaltend laut jagen und dabei bellen konnten. Dazu zählen Abkömmlinge der Keltenbracke wie der St. Hubertushund oder Bloodhound, der Segugio Italiens oder der Hannoversche Schweißhund. Ein weiterer, sehr beliebter Jagdhetzhund des Mittelalters war der Windhund mit dem lateinischen Namen 'Vertragus'. Eine Windhundart wurde für die Schwarz- und Rotwildjagd eingesetzt und die andere für die Hasenjagd.

Die feine adelige Jagdgesellschaft führte aber noch eine weitere Hundemeute auf ihren Jagdausflügen mit sich: Die Packer (Doggen). Sie mussten wehrhaftes Wild packen und solange möglichst unverletzt festhalten, bis die Jäger es erlegen konnten. Die schönsten und stärksten Doggen wurden auch gerne als Leibhunde zum persönlichen Schutz gehalten.

Eine hohe Form der Jagdkunst war die Beiz- oder Vogeljagd. „Vogel-„ oder „Habichtshunde“ waren Vorstehhunde (Setter, Wachtelhunde, Spaniel und Pointer), die man auf unterschiedliche Jagdtechniken trainierte, die alle zum Ziel hatten, Flugwild aufzustöbern, das dann von Beizvögeln (Habicht, Falke) geschlagen wurde. Besonders bei Engländern und Franzosen galt der Besitz einer Jagdhundmeute als absolutes Statussymbol. Eine Meute konnte dabei bis zu 1.000 Hunde umfassen (!).

Während die Adeligen überwiegend Windhunde und englische Jagdhunde züchteten, hielten die Bauern Howerwart und Spitz und die Schäfer die Schäferhunde.

Im Mittelalter wurde der Hund für Schlachten sogar in Rüstungen gesteckt, wie man dies auch schon bei den Kelten und Galliern getan hatte. Aufgabe war es, die gegnerischen Pferde außer Gefecht zu setzen. Dazu wurden Rüstungen angelegt, an denen man Speere befestigte, die horizontal über den Hundekopf hinausragten, um in den Bauch eines Pferdes gerammt zu werden. Auch dienten Halsbänder mit gefährlich langen Eisenstacheln alleinig der Verletzung von Pferden.

Der Hund war aber auch Wachhund, der riesige Grundstücke bewachte und Vieh zum Markt trieb. Dabei etablierte sich über Jahrhunderte hinweg der Sport des Bullenbeissens. Dieser besonders in England vom 16. bis 18. Jahrhundert beliebte Wettsport „Bull Baiting“, der seit 1835 verboten ist, brachte eigens dafür gezüchtete Bulldoggen dazu, Bullen in die Nase zu beißen und zu Boden zu bringen. Die eigens dafür gezüchteten Bulldoggen waren mittelgroß und von gedrungener Statur. Aufgrund ihrer kurzen Nase, der vorstehenden Kiefer und des überaus kräftigen Nackenbereichs konnten sie zupacken und sich fest beissen, ohne in Atemnot zu geraten und zu ersticken.
Kein Wunder, dass der Hund auch als Seuchen- und Krankheitsträger gefürchtet war.

Die Inquisition

Vollmond und Wolf - Symbole des Aberglaubens

Vollmond und Wolf - Symbole des Aberglaubens

Historisch war der Aberglaube unter den Menschen auf dem Höhepunkt angekommen. Der Umgang mit Hunden galt als dem heidnischen Glauben zugehörig und somit als Ketzerei, die meistens mit dem Tod bestraft wurde. Der Hund war Tier des Teufels und Begleiter von Hexen, der nachts auf Friedhöfen spukte. Die positive mythologische Bedeutung des Hundes in der ägyptischen Epoche und in der Antike verkehrte sich im Hochmittelalter ins Negative. Laut mittelalterlicher Kirche hatten Tiere keine Rechte und verdienten keinerlei Beachtung.

Wenn auf der Straße die Hunde heulten, so glaubte man, dass in der Nähe ein Feuer entstehen oder in der Nachbarschaft irgendjemand sterben werde.

Als Schärfung der Galgenstrafe hing man manche Verbrecher noch im 16. Jahrhundert lebend mit dem Kopf nach unten an einem Seil um den Knöchel auf. Manche Aufgehängte verharrten teilweise mehrere Tage in dieser Position, bis der Tod sie erlöste. Die längste Sterbedauer soll bei 7 Tagen gelegen haben! Nicht auszudenken, wie sehr auch die Angehörigen litten, die den zum Tode verurteilten Bestraften mit tröstenden Worten beistanden, bis der Tod eintrat. Selbstmörder wurden zwischen einem lebenden Hund und einer lebenden Katze aufgehängt. Eine weitere Steigerung bestand darin, den Verurteilten kopfüber zwischen zwei lebende Hunde zu hängen, die ebenfalls mit dem Kopf nach unten aufgeknüpft waren und sich aufgrund ihrer zu ertragenden Qualen in den Menschen verbissen. Vergleichsweise mild wirkt da die Stafe, einen Hund um die Kirche eines Dorfes tragen zu müssen.

Folge dessen war auch der Beruf des Hundshautgerbers verachtenswert, da Abdecker (altes Wort für jemanden, der Tierkadaver verwertet) als extrem unrein und somit krankheitsübertragend empfunden wurden. Hundetötung wurde als heidnisches Sakrileg betrachtet.

Um den zahlreichen umherstreunenden Hunden in den mittelalterlichen Städten Herr zu werden, veranstaltete man regelrechte Treibjagden auf Hunde. So gibt es ab dem 15. Jahrhundert Nachweise über die Anstellung von sog. Stadtknechten, die für das „Hundsschlagen“, also das Töten von Hunden verantwortlich waren. In Hamburg durften die Hunde wiederum nur an bestimmten heiligen Tagen der Germanen gejagt werden und im Österreich von 1752 nur bei Vollmond.

Mythos Werwolf

Mythos Werwolf

Es gab im Mittelalter aber auch eine Art Scheu und heiligen Respekt vor den Hunden, da man ihnen, wohl aufgrund ihrer ausgezeichneten Sinnesorgane wie Nase und Ohren, nachsagte, auch auf unsichtbare Dinge reagieren zu können und sich irgendwo zwischen Unerklärlichem und Wirklichem zu befinden. Daher rührt wohl auch der Glaube, dass ein Hundebiss erst dann wieder heilen würde, wenn man Haare des betreffenden Hundes auf die Wunde klebte.

Zusätzlich flackerte zu Zeiten der Inquisition die Legende vom Werwolf wieder auf, da Tollwuterkrankte, die Schaum vor dem Mund hatten und wild um sich bissen, sich ebenso gebärdeten wie es die Legende vom Werwolf erzählte. Vom Aberglauben in unvorstellbare Phantasien getrieben glaubte man an die Verwandlung zum Tier.


Der Hund in anderen Kulturen
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